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10 Jahre Converting

Im Schneckentempo

Unternehmen in der Region kritisieren Geschwindigkeit und Stabilität des Internets.

wette • Das Thema ist nicht neu. Aber, so Jan Krückemeyer, es gewinnt zunehmend an Brisanz. Der geschäftsführende Gesellschafter der Reinhard Krückemeyer GmbH & Co. KG sprach gestern von einer unbefriedigenden Situation für sein Unternehmen und ärgerte sich darüber, allein gelassen zu werden. Worum genau es ging, das erläuterte im Anschluss Geschäftsführer Uwe Kittel.

Es ging um das Wilnsdorfer Industriegebiet „Auf‘m Lehnscheid" beziehungsweise die Internetanbindung in eben diesem - und die in der gesamten Region. In den betrieblichen Abläufen sei man logischerweise auf eine funktionsfähige Breitbandanbindung angewiesen, sagte Kittel. Im Wilnsdorfer Industriegebiet aber verfüge man gerade einmal über eine Downloadgeschwindigkeit von 3 bis 4 Mbit/s. Das ist viel zu wenig, so Kittel. Das Schneckentempo habe Folgen: E-Mail­Anhänge könnten nur mit Mühe heruntergeladen werden, wenn überhaupt, an ein Homeoffice sei kaum zu denken, da das Übertragen relevanter Daten schier unmöglich sei, und auch der angedachte Online-Shop könne nicht realisiert werden, weil die Bilder auf der angedachten Online-Plattform nicht entsprechend platziert werden könnten. Dateien, die größer sind als 2 MB, lade ich zuhause herunter, ergänzte Jan Krückemeyer. Und: Dateien, die Kunden andernorts problemlos herunterladen könnten, müssten vom Wilnsdorfer Hersteller für Schleifmittel und Klebebänder verschickt werden - auf CD oder USB­Stick. Das dauere. Und sei dadurch ganz klar ein Wettbewerbsnachteil. Wettbewerbsnachteil - dieser Begriff fiel gestern öfter. Perspektivisch gesehen bedeute die aktuelle Situation, dass man nicht expandieren könne. Denn, so das Beispiel von Kittel: „Unseren zwei Kollegen in Süddeutschland können wir nicht ermöglichen, auf unsere Daten zuzugreifen. Die müssen sich alle Informationen per Telefon holen." Das erinnere an die Steinzeit. An eine Expansion in andere Regionen Deutschlands sei daher nicht zu denken.

Seit Jahren heiße es, dass etwas getan werden müsse - aber in der Region komme nichts an, ärgerte sich Krückemeyer. Dabei seien mehrfach Vorstöße unternommen worden. Dass dem Unternehmen dabei die Hände gebunden sind, berichtete IT-Leiter Thorsten Ley. Aktuell seien Kabelverzweiger im Industriegebiet mit Glasfaser „überbaut“ worden und somit theoretisch eine Anbindung mit bis zu 50 Mbit/s möglich. Theoretisch. Denn: Auf Anbieterseite gebe es Probleme. Zum einen fehlten Angebote für Anlagenanschlüsse, zum anderen sei nicht klar, welche Geschwindigkeiten am Ende tatsächlich zur Verfügung stünden. „Es mangelt an Informationen und Ansprechpartnern“, sagte Ley. Hauptansprechpartner sei die Telekom. Sicher, es gebe auch Angebote anderer Anbieter, diese aber seien kaum zu finanzieren. Das ist irre teuer und immer eine Kosten-Nutzen-Frage. " Für die Krückemeyer GmbH & Co. KG sei das kein Thema, da der finanzielle Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag stehe.

Aber noch etwas wurde gestern deutlich: Die Situation des Wilnsdorfer Unternehmens ist beileibe kein Einzelfall. Das bestätigte Hans-Peter Langer von der IHK Siegen, der ebenfalls mit am Tisch saß um auf die Situation aufmerksam zu machen. Viele Ballungsräume in Nordrhein-Westfalen seien besser an das schnelle Internet angebunden als Siegen-Wittgenstein. Wir beobachten auch mit Sorge, dass insbesondere in den Industrie- und Gewerbegebieten ganz erhebliche Defizite bestehen. Vieles konzentriere sich beim Ausbau auf die Wohngebiete, wobei die Industrie- und Gewerbegebiete vergessen würden.

Zu Beginn des Jahres hatte die IHK Siegen eine Erhebung in sieben ausgewählten Industrie- und Gewerbebetrieben in Siegen-Wittgenstein und Olpe vorgenommen. Mit dramatischem Ergebnis, so Langer. Schließlich habe sich herausgestellt dass die Mehrheit der Betriebe mit weniger als 6 Mbit/s unterwegs ist. Doch nicht nur die Geschwindigkeit gaben die Unternehmen als Hauptkritikpunkt an; auch die Stabilität sorge vielerorts für Probleme. Die Unternehmen sagten, mindestens 50 Mbit/s, perspektivisch gesehen aber 100 Mbit/s zu benötigen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Denn auch dort stehe Deutschland nicht gut da - Länder wie Tschechien oder Lettland hätten mittlerweile weitaus bessere Internetanbindungen.

Das Bundesprogramm - alle ländlichen Regionen sollen mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s ausgestattet werden - sei sicherlich ein guter Anfang, so Langer. Aber bringt uns das auf die Überholspur, um den Wettbewerbsnachteil aufzuheben?", fragte er. Und gab direkt die Antwort: „Das bezweifeln wir." Daher müsse nun gehandelt werden. Und das gemeinsam. Der FTTB-Glasfaserausbau müsse vorangetrieben und Förderungen langfristig ausgelegt werden. Die Politik müsse Druck aufbauen. Zudem müsse es bei den Internetanbietern kommunale Ansprechpartner für die Unternehmen geben, um den Informationsfluss endlich zu verbessern.

Quelle: Siegener Zeitung, Donnerstag 24. März 2016

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