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10 Jahre Converting

Schneckenpost statt Datenturbo

„Das Kriechtempo, das uns das Internet an unserem Standort bietet, behindert uns auf allen Ebenen. Einfachste Anwendungen dauern viel zu lange oder funktionieren gar nicht erst. Die Zukunftschancen, die das schnelle Internet allgemein bietet, bleiben uns heute vollständig verwehrt", betonte Jan Krückemeyer, geschäftsführender Gesellschafter der Reinhard Krückemeyer GmbH & Co. KG in Wilnsdorf in einem Pressegespräch, bei dem es um die mangelnde Breitbandversorgung in den Industriegebieten der Region ging. Ebenso wie seine 57 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter macht er fast täglich leidvolle Erfahrungen mit der unzureichenden Internetanbindung. Die Firma Krückemeyer ist seit Jahren einer der führenden Spezialisten für Schleifmittel und Klebebänder in Deutschland. Mehr als 5.000 Kunden aus Industrie, Handel und Handwerk vertrauen auf die hochwertigen Schleif- und Klebelösungen aus Wilnsdorf und lassen sich von den Experten des Unternehmens beraten. ,,In unseren betrieblichen Abläufen sind wir immer mehr auf eine funktionsfähige Breitbandanbindung angewiesen.", betonte Geschäftsführer Uwe Kittel. „Mit einer geradezu lächerlichen Downloadgeschwindigkeit von durchschnittlich 3 bis 4 Mbit/s kommen wir hier nicht sehr weit. Wir spüren auch, dass dies ein Wettbewerbsnachteil ist, der sich immer stärker auswirkt." Die Schneckenleitung hat Folgen für die betrieblichen Abläufe im Alltag. So können E-Mail-Anhänge, wenn überhaupt, nur mit Mühe herunter geladen werden.

Zuhause geht’s schneller

Am besten funktionieren Downloads am Betriebssitz im Industriegebiet „Auf'm Lehnscheid" nach der Hauptarbeitszeit, wenn auf der „Datenautobahn" weniger los ist. „Größere Anhänge lade ich ohnehin schon regelmäßig privat zuhause herunter", erläuterte Jan Krückemeyer. Auch der Datenaustausch zwischen dem Betriebssitz und den Büros von Außendienstmitarbeitern in Süddeutschland bereite große Probleme.“ Ein PDF-Dokument mit einer Größe von 2 MB von unserem Server zu laden, dauert etwa eine halbe Minute. Ein flüssiges Arbeiten ist so unmöglich", meinte auch Thorsten Ley, IT-Experte des Unternehmens. Beeinträchtigungen gebe es zudem beim „Strearning" oder bei internetbasierten Seminaren. Auch die automatische Auftragsabwicklung sei, vorsichtig ausgedrückt, ,,störanfällig". ,,An zukunftsfähige Dienste, wie die systematische Cloud Nutzung oder familienorientierte Angebote durch die Einrichtung von Homeoffices, brauchen wir bei dieser Internetanbindung gar nicht zu denken", so Jan Krückemeyer weiter. Und: Die Kunden wollten heute die gewünschten Produkte direkt im Netz bestellen. Aber ein geeigneter Onlineshop sei mit dieser Internetanbindung nicht machbar. Die Gemeinde Wilnsdorf habe sich in den vergangenen Monaten intensiv für eine Verbesserung der Anbindung eingesetzt. Aktuell seien Kabelabzweiger im Industriegebiet mit Glasfaser „überbaut" worden. Theoretisch sei so eine Anbindung mit bis zu 50 Mbit/s möglich. Aber auch hier gebe es Probleme auf der Anbieterseite. So fehlten Angebote für Anlagenanschlüsse und welche Geschwindigkeiten am Ende tatsächlich zur Verfügung stünden, sei ebenfalls völlig unklar. „Ausgerechnet dort, wo gilt: Zeit ist Geld' und wo die Gewerbesteuern Erwirtschaftet werden, regieren seit Jahren lange Ladezeiten und Verbindungsabstürze. Man lässt die Unternehmen bei diesem Thema weitgehend alleine", fasste Jan Krückemeyer zusammen. Das Unternehmen werde über kurz oder lang wohl tief in die Tasche greifen müssen, um sich einen eigenen Glasfaserdirektanschluss legen zu lassen, damit der Standort Wilnsdorf erhalten bleibe.

Dass die Firma Krückemeyer kein Einzelfall ist, bestätigte Hans-Peter Langer von der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK): „Wir sehen nicht nur, dass Ballungsräume in NRW deutlich besser an das schnelle Internet angebunden sind als unsere Region. Wir beobachten auch mit Sorge, dass insbesondere in den Industrie- und Gewerbegebieten ganz erhebliche Defizite bestehen." Dabei komme der Breitbandanbindung heute eine ähnlich hohe Bedeutung zu wie einer guten Verkehrsanbindung.

BP

Bildunterschrift:
Kritisierten die schlechte Internetanbindung in den heimischen Industrie- und Gewerbegebieten
(v.1.): Uwe Kittel, Jan Krückemeyer, Thorsten Ley (alle Krückemeyer GmbH & Co.
KG) und Hans-Peter Langer (IHK Siegen).

Download (PDF)

Quelle: Blickpunkt Wirtschaft regional – Mai 2016 – Seite 7

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